Filiz Polat, migrationspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, hat die parlamentarische Sommerpause genutzt, um dem Bramscher Verein Amal e.V. einen Besuch abzustatten.

Polat würdigte das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder für ein Miteinander von Bramscher*innen und Neuzugewanderten beim Ankommen in der Stadt.  

„Der Verein ist eine wichtige Anlaufstelle für Geflüchtete und leistet unglaublich wertvolle Arbeit bei der Beratung von Zugewanderten.

Zudem ist er eine große Unterstützung für die Stadt Bramsche“, so Polat, die ihre jahrelange gute Zusammenarbeit mit Amal e.V. bei dem Besuch unterstrich.

Neben der Arbeit mit Geflüchteten und insbesondere Frauen, organisiert Amal e.V. aber auch wichtige Aufklärungsarbeit zur Volksgruppe der Sinti, die seit über 600 Jahren als nationale Minderheit in Deutschland lebt.

Im Nationalsozialismus wurden Sinti wie auch Roma als „fremdrassig“ gebrandmarkt, zu Tausenden in KZ verschleppt und ermordet – auch viele Familien aus der Region Osnabrück.

„Es gibt fast keine Familie in unserer Region, die nicht vom Völkermord betroffen war“, so Polat, die im Bundestag auch Sprecherin für die nationalen Minderheiten ist.

Samantha Heike Harms, 1. Vorsitzende von Amal e.V.: „Als Romni, kann ich mich nur von Herzen bedanken für Frau Polats Einsatz für die Minderheit der Sinti und Roma und möchte unterstreichen, wie wichtig es ist, dass sich in der Gesellschaft ein Verständnis für Roma in Deutschland und auch in Europa entwickelt. Dieses Verständnis ist auch ein Ziel von Amal e.V. in Bramsche und Umgebung.

Polat: „Der Amal e.V. leistet hier wichtige Aufklärungsarbeit und verbindet mit seinem Netzwerk auf dem Balkan die lokale und europäische Ebene. Gerade in Bezug auf den in Europa immer noch verbreiteten Antiziganismus – also den Rassismus gegenüber Sinti und Roma – schätze ich die Arbeit von Heike Harms und ihren Kolleg*innen sehr.“


 

 

01.05.2016, 20:23 Uhr

 

Erlös für Flüchtlingshilfe Großes Hoffest der Kulturen in Rieste

Von Stefanie Preuin


Rieste. Der traditionelle Schafschurtag der Arche Alfsee wurde in diesem Jahr zum Hoffest der Kulturen. Das Familienfest wurde um ein abwechslungsreiches Live-Musikprogramm und Speisen der internationalen Küche erweitert, des Weiteren gab es Informationsstände zum Thema Flüchtlingshilfe.

Auf dem Parkplatz nahe der Arche Alfsee deutete es sich an: Der Hof und die umliegenden Flächen waren sehr gut besucht. Viele Familien nutzten das gute Wetter am Sonntag für einen Ausflug auf den Hof. Wie in den Vorjahren gab es ein breites Angebot für Kinder. Der Haustierpark lud zum Streicheln ein, das Puppentheater sorgte für Lacher und die Schafschur für erstaunte Gesichter. Die Schafe waren so wollig, dass auf dem Tisch des Schurmeisters kaum noch der Kopf oder die Beine sichtbar waren.

Wolle zu Garn

Mit gekonnten Griffen wurde das Schaf „rasiert“ und auf den Sommer vorbereitet. Die Wolle verarbeiteten Judith Ludwig und Andrea Gerhards an der Spindel zu Garn. „Ich spinne seit Jahren. Es ist beruhigend, ein bisschen wie Meditation“, erklärte Judith Ludwig aus Engter. Andrea Gerhards sieht die Eigenproduktion ganz praktisch. Beim Verkauf auf dem Wochenmarkt halte das selbstgesponnene Garn und die daraus gestrickte Kleidung schön warm.

Afrikanische Speisen, türkischer Chai (Tee) und deutscher Kirschkuchen stellten sich als gute kulinarische Mischung heraus — dessen Duft viel Publikum anlockte. Neben diesem reichhaltigen Angebot, informierten viele Stände entlang der Hofwege über die Flüchtlingshilfe. „Es ist auch ein Tag der Begegnungen. Die Vereine und Organisationen können sich kennenlernen, sich austauschen. Viele wissen von den anderen nicht. Das soll sich ändern“, erklärte Veranstalter Siegbert Ehmann-Wulf. „Außerdem gibt es nun auch einen runden Tisch Asyl in Rieste.“ Zusammen mit seiner Frau Beate hatte er im vergangenen Jahr aufgrund der politischen Lage „die Vision eines Festes“, die durch Hilfe, unter anderem vom Verein BIKU, Bramscher Initiative für das Miteinander der Kulturen, umgesetzt wurde.

Die schwierige Flüchtlingssituation auf dem Balkan machte Arzt Paul Krause während des Festes deutlich. Dorle Hiller und Eva Bücker erzählten bewegend von ihrer Flucht im Zweiten Weltkrieg.

Erlös für Flüchtlingshilfe

„Der Erlös ist für die humanitäre Hilfe auf der Balkanroute bestimmt. Wir wollen aber auch Projekte vor Ort unterstützen, zum Beispiel den Verein Amal“, erklärte Siegbert Ehmann-Wulf. Nach der offiziellen Eröffnung durch den Schirmherrn, Landrat Michael Lübbersmann, und Bürgermeister Sebastian Hüdepohl lauschten die Gäste in der Reithalle hochkarätigen Bands. Musiker Toscho Todorovic hatte Ombre di Luci, Dusty Lemmer und Cliff Barnes and the Fear of Winning und fünf weitere Bands vom guten Zweck überzeugen können.

Für ein menschliches Füreinander

„Mein Delfin bekommt kein Band durch das Auge, sonst schwimmt er nicht mehr“, erklärte der zehnjährige Tjark am Stand von Künstler Rolf Brüning. Zusammen mit den Kindern raspelte, schmirgelte und verschönerte er Steine, die vor allem als Anhänger ihren Zweck fanden. Während des Tages wurde außerdem ein Segel gefilzt, welches am Nachmittag zum besonderen Zeichen wurde. Unter dem Motto „Es ist Zeit, Segel zu setzen, für ein tolerantes Miteinander, für ein menschliches Füreinander“ wurde es an einen Bootmast angebracht — unter dem kraftvollen Trompetenspiel dreier Musiker, die vom Stalldach musizierten.

„Wir sind total begeistert von der Atmosphäre. Verschiedene Kulturen kommen auf der „Chill-Wiese“ ruhig zusammen. Es ist gigantisch“, freute sich Siegbert Ehmann-Wulf über das gut besuchte Fest.